Vielleicht ist es nur ein Trend, vielleicht ein neues Paradigma: Transformation gewinnt als Begriff für gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wandel
an Bedeutung – auch für die GIZ. AgenZ beschäftigt sich in unterschiedlichen Kontexten mit dem Thema und geht der Frage nach: Was unterscheidet Transformation von Entwicklung?
„Transformation geht einen Schritt weiter als Entwicklung“, meint Lukas Fischer, Projektmanager bei AgenZ Frankfurt. „Mit Entwicklung assoziiert man oft einen linearen Wandel: Mehr Bildung, mehr Energie, mehr Wirtschaft, dann wird’s schon werden. Transformation richtet den Blick stärker auf die Veränderungsprozesse selbst: Welche Systemwechsel sind für nachhaltigen Wandel notwendig? Wo müssen neue Zusammenhänge hergestellt und vorangetrieben werden?“
Es sind die großen Sprünge, bei denen Transformationsprozesse für jedermann sichtbar werden – wie jene der osteuropäischen Staaten nach dem Ende des Kalten Krieges oder die aktuellen Umwälzungen im arabischen Raum. Bei solchen Prozessen ist stets eine Vielzahl von Akteuren beteiligt, oft mit divergierenden Interessen. Von außen können solche Prozesse nicht gesteuert, sehr wohl aber unterstützt werden.
„Von den polnischen Erfahrungen können die nordafrikanischen Staaten eine Menge lernen“, rief der ehemalige polnische Premier Krzysztof Bielecki jüngst bei den European Development Days in Warschau, wo er eine angeregte Diskussion mit GIZ-Vorstand Christoph Beier führte. „Wir sehen eine steigende Nachfrage nach Unterstützung bei Transformationsprozessen“, so Beier. „Die GIZ kann etwa die Entscheidungsfähigkeit von Reformakteuren stärken und Handlungsoptionen aufzeigen. Der Bedarf ist da.“
Auf der Bühne mit Christoph Beier saß in Warschau Dane Taleski aus Mazedonien, der stellvertretend für die anderen Transformation Thinkers die Notwendigkeit der Vernetzung und des Austausches in Reformprozessen betonte. Das Netzwerk der Transformation Thinkers, getragen von GIZ und Bertelsmann Stiftung, fördert seit 2003 junge Entscheidungsträger aus Entwicklungs- und Schwellenländern.
Auch bei den Eschborner Fachtagen 2012 (EFTA) wird das Thema Transformation auf der Agenda stehen, mit dem Fokus auf Urbanisierung und Stadtentwicklung. „Anders als Entwicklung zielt Transformation nicht auf ein klar bestimmtes Ergebnis, sondern legt den Fokus auf die Veränderungsprozesse selbst. Oft kommt es dabei zu Ungleichzeitigkeiten, Divergenzen und Rückschritten. Die verschiedenen Veränderungsdynamiken in einer Transformation beeinflussen sich gegenseitig mit nur bedingt vorhersehbarem Ergebnis“, so Günter Meinert vom GIZ-Sektorvorhaben Stadtentwicklung, das zusammen mit AgenZ die diesjährige EFTA ausrichtet.
Klingt nach einem klassischen Szenario der internationalen Zusammenarbeit. Transformation als Management von komplexen Prozessen anstelle von Mangelbeseitigung in einzelnen Themenfeldern – vielleicht schimmert da ja tatsächlich ein nützliches neues Entwicklungsparadigma am Horizont.