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Schwellenländer

Mit der G8-Präsidentschaft im Jahre 2007 rückten auch die Schwellenländer verstärkt in den Blickpunkt deutscher Politik. 2008 stand Indien im Fokus:
Neben den OECD-Ländern haben Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika – die so genannten BRICS-Länder – in den letzten Jahren die Weltkonjunktur maßgeblich angetrieben. Laut Goldman Sachs haben diese Länder das Potenzial, die G7-Länder bis 2050 wirtschaftlich in den Schatten zu stellen. Das stellt die bestehende Global Governance-Struktur zunehmend infrage.
50 Jahre Entwicklungszusammen-arbeit und Deutschlands Sonderstatus als eines von sechs Geberländern unterstreichen die Bedeutung des Subkontinents bei der mittelfristigen Ausrichtung deutscher Außenpolitik.

Die Fakten: Bis vor wenigen Jahren noch ein Entwicklungsland, hat China 2008 Deutschland als Exportweltmeister abgelöst und hält Währungsreserven von umgerechnet 1,5 Billionen Euro (2 Billionen USD). Auch Indien, das sich selbst als größte Demokratie der Welt bezeichnet, entwickelt sich mit stabilen Wachstumsraten von ca. 8 Prozent rasant und ist zum bevorzugten Partner zahlreicher Industrieländer in Asien geworden. Und Russlands Stellung als „Reservekanister“ der auf fossile Energieträger angewiesenen Industrienationen hat zu einer massiven Veränderung der Geber-Nehmer-Relationen beigetragen; in den 1990ern galt das Land laut Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds als bankrott.

 

Die nächsten 11 machen sich auf den Weg

Schon machen sich weitere Schwellenländer auf den Weg zu einer aufsteigenden Industrienation. Länder wie Ägypten, Nigeria, Indonesien, Mexiko, Vietnam, Südkorea und die Philippinen werden von den Investmentbanken aufmerksam beobachtet und als Gruppe der „Next 11“ gehandelt.

Doch mit der Wirtschafts- und Finanzkrise sind auch die Schwellenländer ins Stolpern geraten. Das britische Overseas Development Institute (ODI) schätzt, dass die Investitionsströme gen Süden rasch zum Rinnsal werden könnten. Ein Einbruch von 25 Prozent ist wahrscheinlich, vielleicht mehr. Und exportorientierte Volkswirtschaften sind von diesem globalen Konjunktur-Schluckauf stärker betroffen als andere. Deutschland, China und Russland in besonderem Maße.

Ungeachtet des Ausgangs dieser Krise steht schon jetzt fest: Grenzen des Wachstums gibt es nicht. Denn bis 2050 wird die Weltbevölkerung mittleren Prognosen zufolge auf 9 Mrd. Menschen anwachsen. Und das zum weit überwiegenden Teil in den BRICS- und Next 11-Ländern. Dies ist der Treibsatz für die nächste globale Krise. Und diese Krise wird wahrscheinlich weit größere Sprengkraft entwickeln als die gegenwärtige: Denn die Kombination aus Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum beschleunigt den Verbrauch von natürlichen Ressourcen immens.

Nachhaltigkeitskonzepte für die BRICS-Länder

Dennoch – oder gerade deswegen – führen die Schwellenländer die Diskussion um das Recht auf Entwicklung zunehmend selbstbewusster. Denn aufgrund der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich stehen die BRICS-Länder zugleich vor gigantischen sozial-politischen Herausforderungen. Zwischen „Harmonious Society“ und „Inclusive Growth“ haben China und Indien ihre eigenen Nachhaltigkeitskonzepte entwickelt – allerdings mit deutlich sozioökonomischer Prioritätensetzung.

Hier ist deutsche Entwicklungszusammenarbeit gefordert: Denn an einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch verantwortlichen Entwicklung geht kein Weg vorbei. Und deutsche Entwicklungszusammenarbeit stellt sich dieser Verantwortung zunehmend, spielt weltweit eine Vorreiterrolle.

Beispiel Indien: Im 60. Jahr seiner Unabhängigkeit hat das  Land seine Geberstruktur von Grund auf neu geordnet. Deutschland ist eines von bloß noch sechs Geberländern. Das unterstreicht die besondere Beziehung der beiden Länder füreinander. Ende Oktober 2008 feierten die ehemalige Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und ihr indischer Amtskollege Palaniappan Chidambaram in Neu Delhi 50 Jahre deutsch-indische Zusammenarbeit. Zugleich nahmen sie künftige Kooperationskorridore in den Blick. Umwelt-, Energie- und Finanzfragen standen im Mittelpunkt der Ministerinnenreise, die Heidemarie Wieczorek-Zeul nach Neu Delhi und Kalkutta führte.

Bis zum Besuch der Bundesentwicklungsministerin hatte sich beinahe das gesamte Kabinett in Delhi die Klinke in die Hand gegeben. Nach dem Kanzlerinnenbesuch im Oktober 2007 bereisten nicht weniger als acht Bundesminister den Subkontinent. Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan gleich mehrfach. Bei ihrer letzten Visite Anfang September ging es unter anderem um die Frage, wie sich die Forschungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien künftig noch stärker an Nachhaltigkeitsaspekten ausrichten kann. Mit dem Rahmenprogramm „Forschung für Nachhaltigkeit“ (fona) fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereits seit Jahren die Entwicklung innovativer Umwelttechnologien, um die Voraussetzung für ein langfristiges, ökologisch und sozial verträgliches Wachstum zu schaffen.

Leitidee Nachhaltigkeit

Durch die Etablierung interdisziplinärer Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Gesellschafts-, Wirtschafts-, Regional- und Geowissenschaften soll „Nachhaltigkeit“ zur Leitidee werden. Zusätzlich sollen Impulse für Innovation gesetzt werden. Um Ideen möglichst schnell zur Anwendungsreife zu bringen, soll der Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vorangetrieben werden – und das über Länder- und Kontinentalgrenzen hinweg. Es geht um gesellschaftlichen Wandel und die Veränderung tief verwurzelter kollektiver Mind-Sets.


Auch das Bundesumweltministerium (BMU) startete 2008 seine langfristig angelegte Dialogserie in Indien: „Strategic Dialogues - Solutions for Green Growth“ ist der Titel dieser Serie, die darauf abzielt, Schwellenländer wie Indien, China, Südafrika und Brasilien in bilaterale Klimadialoge einzubinden und sie damit zu festen Partnern deutscher Umweltpolitik zu machen. Dahinter steckt nicht nur der Wunsch, einen Beitrag zur Modernisierung ressourcenintensiver Volkswirtschaften in Schwellenländern zu leisten und dieses Wachstum von weiterem Ressourcenverbrauch weitgehend zu entkoppeln. Mit dieser Initiative will das BMU auch deutsche Umwelttechnologie positionieren.

Neue Kooperationen und passgenaue Lösungen

Die verstärkte Orientierung der Außen- und Außenhandelspolitik Deutschlands auf die Schwellenländer wird sich fortsetzen. Nicht nur die Bundesregierung richtet daraufhin ihre Strategien und Initiativen aus – auch Unternehmen und Verbände. Gemeinsam mit den Fach- und Regionalabteilungen der GTZ die Opportunitäten und Risiken auszuloten und mit konstruktiven Beiträgen den anstehenden Herausforderungen zu begegnen, wird auch in Zukunft zu den Aufgaben von AgenZ gehören.
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