Netzwerke
Katalysator politischer Kommunikation
Sie sind die „Generation Facebook“. Hinterlegen zwanglos ihre E-Mail-Adressen, geben bereitwillig ihre Telefon- und Handynummern preis. Sie bloggen, twittern, chatten und meeten. Twenty-Four-Seven – versteht sich. Netzwerker sind die Antreiber der Globalisierung. Und sie suggerieren vor allem eines: Betriebsamkeit.
In einer Welt, in der die Grenzlinien zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusehends verwischen, sind Grenzgänger und Brückenbauer
In der Arbeit der GIZ ist Schnittstellen- und Regiekompetenz vor allem dort gefragt, wo komplexe Akteursstrukturen mit konkurrierenden Interessenslagen aufeinander stoßen. Als Netzwerk-Knüpfer bündelt AgenZ diese Kompetenzen in Bezug auf Dialogprozesse.
gefragter denn je. In der alltäglichen Arbeit der GIZ ist Schnittstellen- und Regiekompetenz vor allem dort gefragt, wo komplexe Akteursstrukturen mit unterschiedlichen, zum Teil konkurrierenden Interessenlagen aufeinander stoßen. Denn Mehrwerte in Multi-Stakeholder-Prozessen werden immer dann geschaffen, wenn es gelingt, diverse Interessen konstruktiv miteinander zu verbinden. Dazu bedarf es tragfähiger Netzwerke und erprobter Kooperationsstrukturen.
In der GIZ ist AgenZ ein Knotenpunkt bei der Anbahnung von Netzwerkstrukturen und beim Vermessen von Kooperationskorridoren – immer dann, wenn es um die Inszenierung politischer Botschaften geht, die Kunden und Partner setzen wollen. Dabei geht es weniger um die Etablierung sozialer Verbundsysteme à la Xing und Facebook oder formaler Netzwerke, also Kooperationsstrukturen mit festen Regeln und einer mittel- oder gar langfristigen Agenda. Vielmehr kommt AgenZ vor allem dann ins Spiel, wenn die Bildung von Expertennetzwerken - so genannten Communities of Practice (CoP) - gefordert ist.
Communities of Practice sind Gruppen, die – zumindest zeitweilig – ein gemeinsames Interesse verfolgen. Ihre Mitglieder verfügen über ein vergleichbares Maß an Fachkenntnissen und Kompetenzen und teilen in der Regel ein gemeinsames Werte- und Mindset. CoP sind freiwillige Zusammenschlüsse. Ihr vorrangiges Ziel es ist, eine größtmögliche Verdichtung von Wissen, Erfahrungen und Ressourcen zu erreichen, um zukünftige Aufgaben möglichst effektiv und effizient bewältigen zu können. CoP sind zumeist informell organisiert und weichen nach Erfüllung ihres unmittelbaren Zwecks oftmals wieder auf. Ihre Basis als soziales Netzwerk bleibt gleichwohl bestehen.
Communities of Practice – Das Beispiel Afrika-Forum
Seit seiner Gründung hat AgenZ immer wieder dazu beigetragen, zahlreiche CoP für ganz unterschiedliche Auftraggeber ins Leben zu rufen und sie in ihrer Funktionsfähigkeit zu unterstützen. Doch nicht jede Konferenz, nicht jedes Multistakeholder-Forum, nicht jede Weltausstellung ist zugleich eine Netzwerkplattform. Auch wenn bei solchen Dialogprozessen Vernetzungsaspekte stets eine Rolle spielen, kommt es bei der Etablierung tragfähiger CoP auf das Momentum an. Das 2. Afrika-Forum des Bundespräsidenten in Accra war ein solches Ereignis: Es traf zur rechten Zeit die rechte Form am rechten Ort. Nur so konnte es seine besondere Wirkung entfalten, die im Schloss Bellevue später als „Spirit von Accra“ bezeichnet wurde.
Zwischen 2006 und 2008 hat AgenZ den Bundespräsidenten bei der Umsetzung der Afrika-Foren im Rahmen seiner Initiative „Partnerschaft mit Afrika“ beraten. Zum zweiten Forum (12.-14. Januar 2007, Accra / Ghana), ließ sich der Bundespräsident auf ein Experiment ein: Auf Empfehlung von AgenZ lud Horst Köhler 50 Nachwuchsführungskräfte aus 18 afrikanischen Ländern und Deutschland ein, um sich mit ihnen und weiteren sechs Staatspräsidenten sowie rund 40 Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft über gemeinsame Zukunftsfragen auszutauschen.
„Die jungen Führungskräfte haben ihre Präsidenten gegrillt“, resümierte Bundespräsident Horst Köhler zufrieden zum Abschluss der Konferenz. „Sie haben kritische Fragen gestellt. Und die Präsidenten haben tapfer versucht, Antworten zu geben.“
Doch dieser Erfolg fiel nicht vom Himmel, er war sorgfältig vorbereitet. Lange vor dem Zusammentreffen der jungen Führungskräfte mit ihren Peers hatten sie sich in einer von AgenZ entwickelten und moderierten Internetplattform über Themenkorridore und Diskussionszugänge verständigt. Im November 2006 gingen sie in der Lutherstadt Wittenberg in Klausur, erarbeiteten Positionspapiere, trainierten Präsentationstechniken und Argumentationsmuster und trafen erstmals auf ihren Gastgeber Horst Köhler.
Eine solche Erfahrung schweißt zusammen, weil sie auf der Bündelung von Kompetenzen, auf gemeinsam formulierten Zielen und einem Gemeinschaftserlebnis beruht. So besteht das Young Leaders Network des Afrika-Forums bis heute fort. Anfang 2008 traf sich das Gros dieser jungen Hoffnungsträger zu einer Reunion in Berlin. Im Zusammenspiel mit Bruno Wenn (ehemaliger Afrika-Bereichsleiter der KfW Entwicklungsbank) und Andreas Proksch (Bereichsleiter Afrika der GIZ) zogen sie ein Resümee ihrer bisherigen Arbeit und verständigten sich auf eine Organisationsform für die Zukunft.
Mit Collins Magalasi aus Malawi und Lars Allenstein aus Deutschland verfügt das Netzwerk über zwei engagierte Sprecher, die die nunmehr losen Fäden und Initiativen ihrer Mitglieder anlassbezogen immer wieder zusammenführen. Auf diese Weise ist das Young Leaders-Netzwerk der Initiative „Partnerschaft mit Afrika“ zu einer wichtigen informellen Brücke zwischen den Kontinenten, gesellschaftlichen Akteuren und unterschiedlichen Themengruppen geworden und nimmt bis heute in verschiedenen Konstellationen Einfluss auf Prozesse und Entscheidungen – hierzulande wie auch in Afrika.
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Tipp: Work the Net
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